In dieser Ausgabe:
>> Pressemitteilung: Erstmalig eurpäische Ausgabe der NYT
>> Karin Sanders Projekt wordsearch
>> HANS ULRICH OBRIST im Gespräch mit KARIN SANDER
>> Karin Sander und ihr Werk
>> Der Katalog in der New York Times
>> Was ist Moment?
>> Globalisierung: Ein Linkdossier

Globalisierung: Ein Linkdossier

"Der Börsenteil einer großen Zeitung bildet tagtäglich einen der dynamischsten Aspekte des Prozesses der Globalisierung ab, nämlich die Bewegung der Kapitalmärkte und Kapitalflüsse. Wordsearch hebt im selben Format wie die Börsenseiten einen ganz anderen, viel weniger beachteten Aspekt desselben Vorgangs der Globalisierung hervor, nämlich den subjektiven Aspekt." In ihrem Interview mit dem Kurator Hans Ulrich Obrist (das wir in Auszügen in der nächsten Ausgabe von db-art.info veröffentlichen) betont Karin Sander den politischen Aspekt ihres Projektes.

Wenngleich ihr translinguistisches Interview im Wirtschaftsteil der New York Times ein vielschichtiges Bild der amerikanischen Metropole zeichnet, berührt wordsearch auch komplexe Zusammenhänge zwischen Sprache, kultureller Identität und globalen ökonomischen Strukturen. Die Auswirkungen der Globalisierung sind in allen Bereichen des Lebens spürbar, und auch die kritischen Stimmen von verschiedenen Globalisierungsgegnern werden in Politik und Wirtschaft diskutiert. Wir haben für Sie deshalb ein kleines Dossier mit Informationen und weiterführenden Links zu unterschiedlichen Positionen dieser kontrovers geführten Debatte zusammengestellt. Darüber hinaus stellen wir Internetadressen vor, die sich mit dem Wandel von Sprachen und Kulturen im "Global Village" beschäftigen.

Die Mobilität von Waren, Dienstleistungen, Arbeit, Technologie und Kapital innerhalb der gesamten Welt steigert sich beständig: "Globalisierung" - jeden Tag hört man dieses Wort in den Nachrichten, liest es in der Zeitung, spricht man darüber, doch jedes Mal scheint es eine andere Bedeutung zu haben: "Die Globalisierung, so scheint es, ist ein zweischneidiges Schwert", betont Ernst Ulrich von Weizsäcker, Vorsitzender der Enquete-Kommission Globalisierung der Weltwirtschaft des Deutschen Bundestages. "Zum einen vergrößert sich als eine Folge der Globalisierung der Abstand zwischen Arm und Reich, und der Raubbau an der Natur dehnt sich immer weiter aus. Andererseits hilft die wirtschaftliche Verflechtung zweifellos, den Frieden zu sichern. Sie fördert das wirtschaftliche Wachstum und beschleunigt die Innovation. Für ein exportorientiertes Land wie Deutschland sichert sie Millionen von Arbeitsplätzen."

Welche neuen Formen politischen Diskurses bringt die unter dem Schlagwort "Globalisierung" zusammengefasste gesellschaftliche Veränderung hervor? Einen guten Einstieg in das Thema bietet die sehr anschauliche Seite der Syracuse University. Hier kann man auf einer Weltkarte verschiedene regionale Aspekte der Globalisierung entdecken. Zu empfehlen ist auch ein von der Bundeszentrale für politische Bildung herausgegebenes Heft zu fast allen Bereichen der Globalisierung. www.wastun.org ist eine internationale Kooperation der Bundeszentrale für politische Bildung mit dem deutsch-französischen Kultursender arte und dem ZDF. Auf dieser sehr spannenden und erst kürzlich eingerichteten Informationsplattform werden aktuelle Auseinandersetzungen um Globalisierung und neue Formen des politischen Aktivismus sowohl im Netz als auch in anderen medialen Formaten dokumentiert.

Ein weiteres nützliches Portal ist die Globalisierungsseite der Emory University in Atlanta. Hier finden Sie Informationen zu Debatten, Theorien, Organisationen und Büchern. Zusätzlich werden weiterführende Links zu deutschen, französischen und spanischen Seiten angeboten. Lesenswert ist auch eine Zusammenstellung von Essays, welche das britische Wirtschaftsmagazin The Economist zum Thema veröffentlicht hat.

Das deutschsprachige Wirtschaftsmagazin brandeins beschäftigt sich ebenfalls in einer Schwerpunktausgabe mit Globalisierung und bietet neben fundierten Beiträgen ein umfassendes Angebot an Literaturempfehlungen, denen wir an dieser Stelle eine Auswahl von wichtigen Quellen hinzufügen wollen: Zu den meist diskutierten Theoretikern einer neuen globalen Weltwirtschaftsordnung gehört der ehemalige Chefökonom der Weltbank, Joseph Stiglitz ("Die Schatten der Globalisierung").

Seine Kritik am IWF und die Forderung nach der sogenannten Tobin-Steuer, die eine Besteuerung von internationalen Devisentransaktionen vorsieht, wird auch von der globalisierungskritischen Bewegung attac begrüßt. Nach Naomi Kleins Bestseller "No Logo" (2001) wird in diesem Jahr der Band "Empire" des jungen amerikanischen Literaturprofessors Michael Hardt und des italienischen Staatsrechtlers Antonio Negri als Manifest der Globalisierungsgegner gehandelt. Wie sie strebt auch die Chicagoer Soziologin Saskia Sassen ("Machtbeben") "Raum für Multitude" und eine "neue politische Architektur" an.

"Einen brillant geschriebenen Wegweiser durch die neue Welt der Globalisierung" nannte die Kirkus Review "The Lexus and the Olive Tree", das Buch des renommierten New York Times-Kolumnisten, Thomas L. Friedmann. Eine große Auswahl von Essays und Büchern bieten die Internetseiten des International Institute for Economics, einem der führenden amerikanischen "Think-Tanks" zu globaler Wirtschaft, das wie auch das Washingtoner Cato Institute für eine Liberalisierung der Märkte eintritt. Der prominente Börsenspekulant George Soros nimmt in seinem "Globalisierungsreport" die Einwände der Globalisierungsgegner ernst, auch wenn er ihre Schlussfolgerungen nicht teilt. Kritik sowohl am konservativen Lager als auch an der traditionellen Linken äußert der englische Soziologe und Globalisierungsexperte Anthony Giddens in seinem Buch "Die Frage der sozialen Ungerechtigkeit": Als Verfechter des sogenannten "Dritten Weges" fordert der Berater des Labour-Chefs Tony Blair mehr Ökologie und weniger Staat. Als "schlichtweg polarisiert" kritisierte die Süddeutsche Zeitung "The Silent Takeover. Global Capitalism and the Death of Democracy", den Bestseller der Cambridge-Dozentin Noreena Hertz. Einer der bedeutendsten amerikanischen Dissidenten, der weltbekannte Sprachtheoretiker Noam Chomsky, veröffentlichte zahlreiche Werke, in denen er sich im Besonderen zu der Rolle der amerikanischen Außen- und Wirtschaftspolitik im globalen Machtgefüge äußerte. Zuletzt erschien in Deutschland sein Buch "The Attack", in dem er Stellung zu den Anschlägen des 11. September nahm.

Aber auch Sprache hat ihre eigenen Globalisierungsseiten. "What's happening to our languages", fragt das Online-Magazin Topics in einem Schwerpunktbeitrag zur Globalisierung. Die Veränderung globaler Sprachkultur und das rapide Aussterben einzelner Sprachen und Dialekte, die auch auf den Zeitungsseiten von Karin Sanders wordsearch-Projekt sichtbar werden, dokumentiert das russische Internetportal "Endangered Languages: links and rescources". Lesenswerte Beiträge zum Aussterben von Sprachen finden sich im Internetmagazin der Unesco oder im Forum von globalpolicy.com. Sämtliche (noch) gesprochenen Sprachen finden sich im Sprachatlas oder im Index von ethnologue.com, einer Seite, die bei der Recherche-Arbeit zu wordsearch von großem Nutzen war.

KvG