Boris Mikhailov, Rote Serie , 1968 – 75. Courtesy Galerie Barbara Weiss, Berlin. © the Artist
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Boris Mikhailov, untitled, from "Salt lake", 1986, Deutsche Bank Collection. © the Artist
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Boris Mikhailov, untitled, from "Salt lake", 1986, Deutsche Bank Collection. © the Artist
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Boris Mikhailov, Rote Serie , 1968 – 75. Courtesy Galerie Barbara Weiss, Berlin. Copyright the Artist
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Boris Mikhailov, Untitled, (from „Case History“), 1997-1999, Sammlung Berlinische Galerie, Berlin. © the artist
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Boris Mikhailov, In the Street, Berlin, 2001/2003. Sammlung Berlinische Galerie, Berlin. © the artist
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Seit Jahrhunderten sind Badende ein beliebtes Motiv in der Kunst. Meist geht es dabei nicht nur darum, die Eintracht zwischen Mensch und freier Natur zu feiern. Das Sujet liefert auch einen guten Vorwand, den nackten weiblichen Körper in Szene zu setzen. Boris Mikhailovs Serie Salzsee ist allerdings das diametrale Gegenteil zu jeder erotisch aufgeladenen Wellness-Idylle: Gut gelaunte Matkas, deren füllige Körper die Badeanzüge fast zu sprengen scheinen, tummeln sich in einem von qualmenden Industrieanlagen umgebenen See, in den riesige Abwasserrohre münden. Gerade die Zuflüsse aus den Fabriken sind es, die hier für den angeblich heilenden Salzgehalt des Wassers sorgen. Die 1986 entstandenen Fotografien, mit denen der ukrainische Künstler auch in der Sammlung Deutsche Bank vertreten ist, präsentieren sich zwar in nostalgischer Sepia-Tönung, zeigen aber die tragikomische Realität der Sowjetunion im Endstadium.
Die Serie Salzsee ist jetzt im Rahmen der großartigen Mikhailov-Schau in der Berlinischen Galerie zu sehen. Erstmals in Deutschland bietet sie einen umfassenden Überblick über das Werk des 1938 geborenen Künstlers. Time is out of Joint lautet der überaus passende Titel der Retrospektive, denn Mikhailov zeigt tatsächlich eine Gesellschaft, die aus den Fugen geraten ist. Seine Aufnahmen aus den letzten Dekaden der Sowjetunion erscheinen als subversive Kommentare zu den offiziellen Bildern, in denen sich das System selber feierte. Hier findet sich keinerlei Spur vom "Neuen Menschen" des Sozialismus. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion hat Mikhailov in seiner Heimatstadt Charkow seine wohl bekannteste Arbeit, Case History (Krankengeschichte), realisiert. In schonungslosen Fotografien zeigt er die Verlierer des gesellschaftlichen Wandels - Obdachlose, die in immer größerer Zahl die Straßen und Parks bevölkern. Seine jüngste Serie entstand in Berlin, wo er seit 2000 vorwiegend lebt. Mikhailovs Berlin ist weder hip noch happening - statt Mitte-Glam begegnet man schlechtgelaunten Rentnerpaaren, die gesichtslose Einkaufsstraßen in Wilmersdorf entlang spazieren. So entwirft der Künstler auch in der deutschen Hauptstadt, die sich so gerne als angesagt, cool und jung präsentiert, ein Gegenbild zum offiziellen propagierten Image.
Boris Mikhailov
Time is out of Joint. Fotografien 1966 - 2011
bis 28. Mai 2012
Berlinische Galerie, Berlin
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