Paulina Olowska, Car Mobile Collage, 2009. Deutsche Bank Collection
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Lucy McKenzie, Lucy and Paulina in the Moscow Metro (Ploschad Revolutsii), 2005.
Courtesy Galerie Daniel Buchholz, Cologne/Berlin
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Paulina Olowska, Car Mobile, 2009. Site-specific mobile sculpture. Courtesy Rosa De la Cruz Collection
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Paulina Olowska, Few chances of going wrong wrong, 2009. Courtesy of the Artist and Metro Pictures, New York
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Paulina Olowska
Ambiguity could have been avoided here, 2009. Courtesy of the Artist and Metro Pictures, New York
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Paulina Olowska, Empathic Day, 2009. Courtesy of the Artist and Metro Pictures
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Paulina Olowska, Untitled, 2009. Courtesy Galerie Daniel Buchholz, Cologne/Berlin
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Paulina Olowska, Portrait with Flowers (after M.), 2009. Courtesy Galerie Daniel Buchholz, Cologne/Berlin
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Paulina Olowska, The Reader, 2009. Courtesy Galerie Daniel Buchholz, Cologne/Berlin
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Paulina Olowska, Crossword Puzzle with Lady in Black Coat, 2009. Courtesy Galerie Daniel Buchholz, Cologne/Berlin
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Paulina Olowska, What made Clotilde fall?, 2009. Courtesy Galerie Daniel Buchholz, Cologne/Berlin
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Das treffendste Porträt der Künstlerin hat eine Kollegin gemalt. Ganz so, wie es Paulina Olowskas Wesen entspricht, ist sie auf diesem Bild umweht von Farbe, Stil und moderner Zuversicht: Lucy and Paulina in the Moscow Metro (2005) zeigt die polnische Künstlerin gemeinsam mit Lucy McKenzie, der Schöpferin des Werkes. Wie Figuren aus einem Tim-und-Struppi-Comic schreiten die beiden Frauen Seit an Seit und forschen Schrittes unter gewaltigen Gewölben dahin. Die eine pfeift ein Liedchen, die andere lacht. So unbeschwert kann es zugehen, wenn Künstlerinnen sich in den Untergrund begeben. Wenn sie aus den Tiefen totgesagter Geschichte längst Vergessenes ans Licht holen.
"Mein Umgang mit der Vergangenheit ist wie ein Gespräch mit Geistern, mit Zeugen", sagt Paulina Olowska. Auf den Betrachter kann dieser Dialog wie ein Tête-à-tête wirken, denn entspannt sieht ihre Arbeit eigentlich immer aus. Nur Wenige greifen für ihre Bildfindungen dermaßen treffsicher in die Archive der letzten 100 Jahre Kunst-, Bau- und Designgeschichte, wenige bedienen sich so souverän aus dem Fundus von Mode und Werbung. Die Fragen, die die 34-Jährige den Geistern der Moderne und an die heutigen Betrachter stellt, haben es durchaus in sich: Was ist aus all den Utopien geworden? Aus dem angeblich gelockerten Verhältnis der Geschlechter, dem Fortschrittsglauben? Was aus dem guten Leben?
Paulina Olowska, in Gdansk geboren, war 13 Jahre alt, als der Eiserne Vorhang fiel. Die Menschheitsidee Sozialismus wurde dabei abgehakt, ein kompletter ideologischer Kosmos mitsamt visuellem Inventar zur Altlast erklärt. Ihre Jugend verbrachte die Polin in den USA, wo sie später auch studierte. "Natürlich besitze ich eine osteuropäische Perspektive auf die Welt, aber es geht mir nicht darum, bestimmte Grenzen zu ziehen. Ich beschäftige mich mit den Dingen, die mich anziehen."
Dank dieser selbstbewussten Maxime entstehen Bilder, Zeichnungen, Collagen, Performances, Architekturmodelle, Installationen und Videos, in denen die seltsamsten Sachen zueinander finden und überraschende Verbindungen sichtbar werden: Sozialistischer Chic geht hier Hand in Hand mit den Überspanntheiten westlicher Avantgarden, Kunst mit Kunsthandwerk, Propaganda mit Reklame, Haute Couture mit Punkrock. Was aber alle Arbeiten verbindet, ist das Prinzip der Montage, der Konfrontation und Re-Inszenierung.
Kürzlich etwa stellte Olowska in der Münchner Pinakothek der Moderne eigene Arbeiten Gemälden aus der Museumssammlung gegenüber. So eröffnete ein Gang durch die Ausstellung einen neuen Blick auf historische Frauenporträts und sich wandelnde Geschlechterrollen. Erklärtes Ziel auch hier: "Die Meinungsmacher in Frage stellen. Die Sachen in die Hand nehmen, unter das Mikroskop legen und herausfinden, worum es wirklich geht."
Dieses flammende Interesse an Neuverortung und -bewertung schafft vor allem großen Frauen einen Wiederauftritt: So ließ die Künstlerin ein Porträt Peggy Moffitts – Model und Muse für Yves Saint Laurent und Rudi Gernreich – in einen Teppich weben (Peggy Rug, 2005), brachte mit der Gemälde-Collage Nashville (2005) die britische Pop-Art-Pionierin Pauline Boty zurück ins Gedächtnis oder stellte volkstümliche Bilder der 1974 gestorbenen Malerin Zofia Stryenska auf der Berlin Biennale aus. Vorreiterinnen – und doch vergessen. Weil sie Frauen waren?
So komplex die Referenzen, so aufwendig der Produktionsprozess und der Umgang mit dem Material. Im vergangenen Herbst zeigte die Künstlerin in ihrer New Yorker Galerie Metro Pictures fünf neue Arbeiten, die moderne Vorstellungen von Mobilität aufgriffen. Für diese Serie hatte die Künstlerin aus Zeitungen ausgeschnittene Bilder als Siebdruck reproduziert, diese Drucke erneut zerschnitten und zu Collagen zusammengefügt, aus denen sie dann wiederum Siebdrucke auf Stoff und Papier machte. Auch damit nicht genug: Diese großformatigen Grafiken bearbeitete sie weiter mit Folie und Buntstiften, Kleber und Klebeband.
"Ich wollte hier erforschen, wie man durch Reproduktion und Montage die Wirkung von Bildern verstärken kann. Wie durch diese Techniken neue Bedeutung entsteht. Das kennen wir eigentlich von der Pop Art. Aber wie meistens in meiner Kunst gehe ich auch hier subjektiver vor als die meisten Pop-Art-Künstler."
Gern erläutert Paulina Olowska einzelne Motive, deren Auswahl tatsächlich auf ganz persönliche Erfahrungen zurückgeht. Auf der Car Mobile Collage aus der Sammlung Deutsche Bank etwa, dem Hauptwerk dieser Fünferreihe ("Wäre dies eine Oper, so wäre dies der Höhepunkt, der fünfte Akt"), sehen wir ein junges Paar in einem Cabriolet unter einem großen Regenschirm, umgeben von Bildern, Zahlen und Buchstaben. "Eine besonders private Arbeit: Hier wird ein Paar gezeigt – statt wie in vielen meiner Arbeiten eine einzelne, unabhängige Frau", so die Künstlerin. Und stockt erst einmal, sodass man sich seinen Teil dazu denken kann.
Dann aber legt sie los: Das Bild stehe für Aufbruch, wie das Auto und der entschlossene Blick der beiden signalisieren. Mit dem Schirm schütze sich das Paar vor verschiedenen Zumutungen. Das kryptische PIT – 53 stürzt da ins Bild, ein Kürzel für ein polnisches Steuerformular, das, wie Olowska erklärt, kein Mensch auszufüllen verstehe. Sie jedenfalls nicht. Staatliche Repression deutet sie auch rechts im Bild an: Dort trifft Ernst Ludwig Kirchners Der Trinker (Selbstbildnis) von 1915 auf die polnischen Punkbands Kosmetyki Mrs. Pinki und Brygada Kryzys, die in den 1980er-Jahren mit Auftrittsverboten belegt wurden – ein Schicksal, das sie lose mit dem expressionistischen Maler verbindet, der bei den Nazis als "entartet" galt.
"Wenn man Sachen in der Zeit hin und her bewegt, fangen sie plötzlich an, anders zu uns sprechen", sagt Olowska – und umschreibt so ihren Umgang mit der Collagetechnik. Den Schlüssel zur Bedeutung der einzelnen Bildelemente braucht der Betrachter dabei gar nicht, um zu verstehen, dass hier die Funken von Pop-Art und Werbung, Punk und Expressionismus ein kleines Feuer entfachen
. Paulina Olowska sucht solche energetischen Stimmungen – auch als Teil einer feministischen Auffassung von Kunst und Leben. Und es ist gerade der optimistische Schwung und die Vielseitigkeit modernistischer Ideen, die sie besonders gerne anzapft: "Paradox, aber ich greife immer wieder auf Geschichte zurück, um einer bestimmten Art von Fortschrittsglauben Ausdruck zu verleihen. Diese Feier eines völlig neuen Denkens in der frühen Moderne – es ist kaum möglich, nicht darauf Bezug zu nehmen!" Deshalb ist sie auch froh, dass jüngere Künstlerinnen und Künstler die Begeisterung für das modernistische Erbe teilen. Dass da ein Austausch stattfindet.
Das Prinzip der Montage überträgt Olowska schließlich auch ins Soziale: Die Künstlerin, die heute mit ihrem Mann auf dem Land in der Nähe von Krakau lebt, organisiert Bars, diskutiert mit Studierenden und arbeitet in Kollektiven. Den Braunschweiger Kunstverein etwa verwandelte Paulina Olowska in eine Kulisse für eine Kurzgeschichte von Lucy McKenzie, und gemeinsam mit der Schottin stellte sie auch in der Münchner Sammlung Goetz aus. Zurzeit arbeitet sie mit der Britin Bonnie Camplin an einer Schau in London. "Es bringt viele neue Möglichkeiten ins Spiel, wenn ich mit anderen Künstlerinnen arbeite. Plötzlich öffnen sich Türen – und man wird frei im Umgang mit Materialen und Methoden." Und hinter den Türen, im Untergrund, warten bereits neue Geister, mit denen sich flirten lässt.
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