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Double Old Fashion
Mathias Polednas neuer Film im Portikus


Der Portikus als "Black Cube": Noch vor kurzem setzte Att Poomtangon die Frankfurter Ausstellungshalle unter Wasser. Jetzt hat sie sich für das Projekt von Mathias Poledna in ein dunkles Kino verwandelt. Dort zeigt der in Los Angeles lebende Künstler seinen jüngsten Film "Double Old Fashion". Unterstützt wird die Ausstellung von der Deutsche Bank Stiftung, die bereits seit 1999 regelmäßig Projekte des Portikus fördert.


Ausgangspunkt von Mathias Polednas neuer Filmarbeit Double Old Fashion ist das von Adolf Loos gestaltete Bar-Set – ein erstmals 1929 von der Wiener Firma L&J Lobmeyr produziertes Ensemble von Kristallgläsern. Ebenso minimalistisch gestaltet wie aufwendig produziert, gilt das Set als richtungsweisend für das Design der Moderne. Im Gegensatz zu den üblichen Glasservices jener Zeit, in denen sich die einzelnen Teile stark unterschieden und mit einer Vielzahl schmückender Details versehen waren, basieren alle Teile des Bar-Sets auf einer einzigen, extrem reduzierten Grundform: einem zylinderförmigen Becher. Ob Whiskey- Wein- oder Likörglas – konsequent wird diese eine Form variiert. Die einzelnen Glastypen unterscheiden sich allein in Höhe und Durchmesser. Ihr Boden ist dabei mit einem Diamantschliff versehen. Diese feine rasterartige Textur erzeugt subtile Lichteffekte. Ganz im Sinne von Loos’ berühmter Streitschrift Ornament und Verbrechen (1908) verzichtet das Bar-Set auf ostentatives Design, vielmehr betont es Funktionalität, das hochwertige Material sowie seine handwerklich perfekte Verarbeitung.

Polednas 16mm-Film blendet diesen kulturhistorischen Hintergrund allerdings komplett aus. Stattdessen setzt das 20-minütige Werk ganz auf die sinnliche Präsenz des Bar-Sets. Langsame, hypnotisch wirkende Kamerafahrten umkreisen die Gläser. Hyperästhetische Close Ups wechseln sich ab mit nüchternen Aufnahmen des gesamten Ensembles, das Poledna auf einer rotierenden Fläche vor einem schwarzen Hintergrund arrangiert hat. Dabei entsteht eine Art Objektchoreographie, in der die Grenzen zwischen Abstraktion, dokumentarisch nüchterner Aufzeichnung und werbefilmartiger Produktinszenierung verschwimmen.

Mathias Poledna, 1965 in Wien geboren, gehört zu einer Generation von Künstlern, die im Bezug auf Positionen der 1960er und 70er Jahre die Institutionen und Bedingungen der Kunstproduktion in Frage stellen. Unter Berufung auf das kollektive Bildgedächtnis setzt er sich kritisch mit den Möglichkeiten der Sichtbarmachung historischer Phänomene in politischen wie popkulturellen Kontexten auseinander.

So auch in seinem Film Crystal Palace (2006), der 2009 im Rahmen des von der Deutschen Bank geförderten Three M Project im New Yorker New Museum zu sehen war. Der Film besteht aus einer Reihe statischer Einstellungen, die die Vegetation in einem Regenwald auf Neuguinea zeigen. Der Titel der Arbeit verweist auf die gleichnamige gläserne Halle, in der die Exponate der Londoner Weltausstellung von 1891 zu sehen waren – fremdartige Tiere und Pflanzen, arrangiert zu möglichst exotisch wirkenden Szenerien. Mit popkulturellen Phänomenen beschäftigt sich sein 16 mm-Film Actualité (2001/2002). Er zeigt Schauspieler, die die Musiker einer Band beim Proben darstellen. Ihr Outfit lässt an den Post-Punk-Style der frühen 1980er denken. Langsam scannt die Kamera die "Musiker", Instrumente und Verstärker ab, begleitet von einem fragmentarischen Song, der immer wieder abbricht, um erneut aufgenommen zu werden. In Actualité erscheint die Geschichte der Popmusik als Konglomerat aus Bezügen, Rückgriffen und Aneignungen.

Auch Polednas Ausstellung im Portikus weist, zumindest indirekt, Bezüge zur Popmusik der 1980er auf. Das Plakat sowie die Einladungskarte zeigen Seiten aus der britischen Musikzeitschrift Melody Maker, Ausgabe 17. August 1985. Die eine Seite füllen Kleinanzeigen von Londoner Tonstudios, die auch von der Vitalität der dortigen Musikszene künden, von den vielen jungen Bands, die darauf hoffen, The Next Big Thing zu werden. Die Abbildung auf der Einladungskarte wirkt auf den ersten Blick wie ein Poster. Nur der unauffällige Schriftzug advertisment verrät, dass es sich auch hier um Werbung handelt. Das Motiv befremdet zunächst, sieht man doch einen jungen Mann in Anzug und dezent gestreifter Krawatte, der eher an einen Bankangestellten als an einen Popstar erinnert. Doch es handelt sich um Kevin Rowland, den charismatischen Sänger und Frontmann der Dexys Midnight Runners. Für das damals aktuelle Album Don't Stand Me Down hatte er sich und seiner Band nach dem anfänglichen proletarischen Soul-Boy-Look und einer Folklorephase ein ganz neues Image verordnet: "clean and simple" wollte man aussehen – sozusagen wie das Bar-Set.

Mathias Poledna
30.01. – 21.03. 2010
Portikus
Frankfurt am Main




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