"Der Nebel hat sich gelichtet" Die Presse über die Frieze Art Fair 2009
Aufatmen im Regent's Park: Trotz der Nachwirkungen der Finanzkrise behauptete die Frieze Art Fair erneut ihre Stellung als weltweit ambitionierteste Kunstmesse. 165 Galerien aus 30 Ländern kamen dieses Jahr nach London, um Werke von rund 1.000 Künstlern zu zeigen. In der neuen Sektion Frame präsentierten sich viele junge Teilnehmer und die subversiven Beiträge der Frieze Projects sorgten für Diskussionsstoff. Die Presse war sich einig: Die siebte Ausgabe der Frieze, die auch dieses Jahr wieder von der Deutschen Bank gesponsert wurde, verbreitete eine optimistische Stimmung.
Schon am Tag vor der Eröffnung der Frieze Art Fair überbot sich London mit Attraktionen für die internationale Kunstszene. Überstrahlt wurden die Partys für Kunststars wie Damien Hirst, Ed Ruscha oder Anish Kapoor allerdings von dem Patti Smith Konzert bei Alison Jacques. Die legendäre Sängerin trat zu Ehren ihres langjährigen Freundes Robert Mapplethorpe auf, dem die Galerie eine Ausstellung widmet. Hunderte begeisterte Smith-Fans drängten sich in und vor der Galerie und sorgten für ein Verkehrschaos in der Berners Street. Die Frieze Week erwies sich erneut als "spannendste Woche des Jahres im Kunstkalender", so der Telegraph, und der Independent feierte London als weltweit "heißeste Kunststadt". Zurecht: John Baldessari und Miroslaw Balka in der Tate Modern, Kapoor in der Royal Academy, Sophie Calle in der Whitechapel Art Gallery, Ruscha in der Hayward Gallery, Anselm Kiefer bei White Cube - und das sind bei weitem nicht alle Highlights mit der die britischen Hauptstadt gerade glänzen kann.
Im Zentrum der Aufmerksamkeit stand aber natürlich die Messe selbst. "Die Frieze öffnete ihr Zelt im Regent's Park, als ob es nie eine Rezession gegeben hätte", meldet Artforum-Korrespondentin Linda Yablonsky. "Noch bevor ich die Messe betrat, war ihre Energie schon zu spüren". Auch wenn am Preview Tag wieder Celebrities wie Gwyneth Paltrow, Stella McCartney oder Turner-Preisträger Grayson Perry im blau-weißen Dirndel die Blicke auf sich zogen, war es Yablonsky zufolge "doch die Kunst, die den Tag bestimmte und auch gut verkauft wurde. Jeder einzelne Händler, den ich sah, war am strahlen". Die New York Times diagnostizierte einen "Hunger nach Bildern, allerdings zum richtigen Preis" und die FAZ berichtete, dass die letztjährige "Endzeitstimmung" vorüber sei: "Der Nebel hat sich gelichtet. (…) Die Lage ist erheblich besser. (…) Es ist eine fast ausnahmslos sehenswerte Messe." "Die Luft schwirrt vor Deals" beobachtet Adrian Searle vom Guardian und Spiegel online zitiert Eigen+Art Chef Harry Lybke: "Das Geschäft läuft sehr gut" und stellt fest: "Die Stimmung ist längst nicht mehr so niedergeschlagen wie noch zu Beginn des Jahres. Manche Galeristen haben nicht einmal Zeit für ein Interview, so beschäftigt sind sie mit dem Verkaufen." Auch die art bilanzierte: "Die meisten Galerien machten schließlich ein gutes Geschäft." artnet Korrespondent Stefan Kobel allerdings war nicht völlig von der 7. Ausgabe der Frieze überzeugt: "Die zarten Erholungssignale des Marktes sorgen für das gute Gefühl, die Rezession überleben zu können. In der Lounge des Hauptsponsors Deutsche Bank etwa herrscht vergnügter Hochbetrieb statt des gedämpften Durchhalteoptimismus von 2008." Zwar registriert auch Kobel ein "Tauwetter im Regent's Park" und hebt den "umfangreichen theoretischen Überbau in Form von Diskussionen" hervor. Doch "wer von der Messeleitung Anregungen oder Impulse in schwierigen Zeiten erhofft hatte, sah sich enttäuscht."
Einhellig gelobt wurde die neue Sektion Frame, in der 29 internationale, junge Galerien Einzelpositionen vorstellten. Eine "Vitaminkur" für die Frieze, so Matthias Thibaut vom Berliner Tagesspiegel. "Mit ihren fast musealen, kuratierten Präsentationen gehört sie zu den besten Aspekten der Messe in diesem Jahr". Besonders hier erkenne man eine "Rückkehr der Kunst zum weniger Glatten, Handgestrickten". Dagegen wirke "Damien Hirsts Edelstahlvitrine mit chirurgischen Instrumenten und dem Titel "Nacht der langen Messer", die bei White Cube fünf Millionen Dollar kosten soll", wie ein "Relikt aus alten Zeiten". Gerade die sperrigen Arbeiten in der Frame-Sektion und die Frieze Projects mit ihren subversiven Kommentaren zu Messe und Markt machen für Thibaut den Reiz der Londoner Messe aus: "Der kritische Diskurs über den Kunstbetrieb gehört so unverzichtbar zur Frieze wie die VIP-Lounge der Deutschen Bank. Das ist sich die Messe als Ausgeburt eines Kunstmagazins schuldig, das für rigorose Konzentration auf die Interpretation nicht den Tanz ums Goldene Kalb bekannt ist. Auch deshalb ist es logisch, dass im Jahre null nach dem Wirtschaftscrash ausgerechnet auf der Frieze wieder entdeckt wird, dass der Spaß an der Kunst nicht nur mit Geld und Gewinn zu tun hat."
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