Olaf Brzeski, Little Orphans – the Last Such Specimens, 2009
photo Sebastian Madejski
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Olaf Brzeski, A Crash on the Museum Stairs, 2009
photo Sebastian Madejski
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Anna Molska, Tanagram, Video, 2006–2007
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Anna Molska, Weavers, Video2009
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Wojciech B¹kowski, Spoken movie 3, animated film, 2007
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Wojciech Bakowski & Anna Molska, Completed, video installation, 2009
production: Zachêta National Gallery of Art, Deutsche Bank Foundation, Deutsche Bank Polska S.A.
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Zorka Wollny, Six Silhouettes Against the Backdrop of a Collection
performance, Muzeum Sztuki in £ódŸ, 2009,
photo M. Stêpieñ
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Anna Konik, The Villa of the Entranced, video installation, 2009
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Anna Konik, Our Lady’s Forever, video installation, 2007
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Bogna Burska, God Is Vain, from the series “A Game with Shifting Mirrors”, cooperation Micha³ Januszaniec, found footage video, 2006-2007
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Wojtek Doroszuk, Cosy-Wasch, Berlin, video, 2007
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Wojtek Doroszuk Sümela Restaurant, Berlin, video, 2007
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Schon in der Eingangshalle begegnen die Besucher der Zacheta Nationalgalerie einem der Beiträge für Views 2009. Olaf Brzeski hat hier seine Arbeit Little Orphans – the Last Such Specimens (2009) installiert: Vitrinen, in denen bemalte Metallobjekte präsentiert werden. Eines erscheint merkwürdig deformiert, bei einem anderen blättert großflächig die weiße Farbe ab. Eine weitere Vitrine sieht aus, als hätten sie Vandalen die Museumstreppe hinuntergestoßen. Mit zerbrochenen Scheiben und abgeknickten Beinen hat sie sich wie ein Unfallwagen mit dem schmiedeeisernen Treppengeländer verkeilt. A Crash on the Museum Stairs (2009) lautet dann auch ihr Titel. Die neuen Arbeiten des 1975 geborenen Künstlers stehen in der Tradition der Skulpuren, mit denen er bekannt geworden ist – eigenwillige Keramiken, die sich durch die Einwirkung enormer Hitze verformt zu haben scheinen. Brzeskis Skulpturen haben ihre beste Zeit schon hinter sich. Ironisch hinterfragen sie konventionelle Präsentationsformen von Kunstwerken als kostbare, möglichst makellose Objekte. Als einziger Künstler, der sich nicht auf die Medien Film und Video konzentriert, ist Brzeski die Ausnahme unter den diesjährigen Nomminees für den Views-Preis.
Die Schau mit den Arbeiten der nomminierten Künstler bietet einen Überblick über aktuelle Tendenzen in der jungen polnischen Szene. Die Ironie, mit der man sich in den Vorjahren dem Wandel der postkommunistischen Gesellschaft gewidmet hat, ist geschwunden. Verstärkt konzentrieren sich die Künstler stattdessen auf globale oder kunstimmanente Themen. Beispielhaft ist hierfür Anna Molska, die bereits auf der 5. Berlin Biennale vertreten war. Ihre Videoarbeiten setzen sich mit den kulturellen Bedingungen der Kunstproduktion auseinander. Dabei entstehen so divergente Arbeiten wie das heroische Ballett in Tanagram (2006–2007), das den Einfluss sowjetischer Propaganda und des russischen Suprematismus' auf die polnische Avantgarde reflektiert. Oder die Neufassung von Hauptmanns Die Weber, die Molska 2009 mit schlesischen Bergarbeitern inszenierte. Für Views 2009 hat sie zusammen mit Wojciech Bakowski, der auch mit seinen Animationsfilmen in der Ausstellung vertreten ist, das Video Finished realisiert. Das von der Deutschen Bank geförderte Projekt entstand in der desolaten, postindustriellen Landschaft eines verlassenen Flughafens.
Initiiert wurde der Views-Preis 2003 gemeinsam von der Deutsche Bank Stiftung, der Deutschen Bank Polska und der Warschauer Zacheta Nationalgalerie. Ziel der mit 15.000 Euro dotierten Auszeichnung und der damit verbundenen Ausstellung ist es, die künstlerische Infrastruktur in Polen zu stärken und die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf vielversprechende Newcomer zu lenken. In diesem Jahr wird zusätzlich auch ein Arbeitsstipendium in der Villa Romana in Florenz ausgelobt, um die Anbindung an die internationale Szene zu stärken.
Während sich junge Polen wie Paulina Olowska oder Wilhelm Sasnal bereits als feste Größen im internationalen Kunstbetrieb etabliert haben, entwickeln sich die Netzwerke vor Ort nur langsam. Noch immer sind potente Sammler und profilierte Galerien rar, ebenso wie substanzielle Preise und Stipendien. Dem Kunstengagement der Bank entsprechend, ist man mit Views dem Ziel, junge Talente direkt zu fördern und ihnen eine Plattform für ihre Arbeiten zu bieten, ein großes Stück näher gekommen. Für ihre Engagement wurde die Deutsche Bank vom polnischen Kultusministerium 2006 als "Patron of Culture 2006" geehrt.
Mit der bewegten Geschichte der 1903 eröffneten Zacheta Nationalgalerie setzt sich Zorka Wollny in ihrer Performance Ballad on the Zacheta Building auseinander, die im Rahmen von Views ihre Premiere erlebt. 1922 fiel der erste Präsident der Polnischen Republik, Gabriel Narutowicz, in dem Warschauer Museum einem Attentat zum Opfer. Während einer Vernissage wurde er von einem ultra-nationalistischen Maler erschossen. Zorka Wollnys Arbeit gehört zu Serie von Performances, in denen sie die Präsentation und Wahrnehmung von Kunstwerken in Museen untersucht. In ihrer jüngsten Videoarbeit geht es um eine ganz persönliche Erfahrung: Film Noir (2009) setzt einen Alptraum der Künstlerin in eindringliche Bilder um.
Auch Anna Koniks Filme beschäftigen sich mit Grenzerfahrungen. Ob sie das Theaterstück eines schizophrenen Psychiatrie-Patienten verfilmt oder Obdachlose in Berlin beobachtet – ihre Filme thematisieren Sehnsucht, Isolation und das Leben am Rande der Gesellschaft. Dabei findet sie immer wieder eine ganz eigene, poetische Bildsprache. Mit appropriierten Bildern arbeitet dagegen Bogna Burska, die in ihren zwischen 2006 und 2008 entstandenen Videos aus der Serie A Game with Moving Mirrors Einstellungen aus Hollywood-Produktionen neu kombiniert. Der Titel der Arbeit stammt aus einem Text Jorge Luis Borges. Und wie der argentinische Schriftsteller konstruiert auch Bogna Burska rätselhafte Labyrinthe, die sich jeder Logik entziehen.
Einen Gegenentwurf zu dieser sehr artifiziellen Welt liefert Wojtek Doroszuk. Sein Videozyklus Reisefieber (2007) widmet sich den Phänomenen Arbeitsmigration und Entwurzelung. In Sümela Restaurant und Cosy-Wasch verkörpert er einen Gastarbeiter, der sich mit schlecht bezahlten Aushilfsjobs durchschlagen muss. Der 1980 geborene Künstlert spielt dabei mit seiner eigenen Identität als Osteuropäer. Die Videos entstanden in Berlin – einer Stadt, die für die wechselvolle deutsch-polnische Geschichte von besonderer Bedeutung ist. In seinen Arbeiten stellt Doroszuk letztlich die Frage nach der nationalen Identität in einer globalisierten Welt. Angesichts der Bandbreite der nominierten Positionen bleibt die Frage, wer den Views-Preis erhält, auch dieses Jahr überaus spannend. Verkündet wird der Gewinner am 22. Oktober in der Zacheta.
Views 2009 - 4th Edition, 19.09.-15.11.2009 Zacheta Nationalgalerie, Warschau
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