Dani Gal and Achim Lengerer performing „The Ballot or the Bullet! – voiceoverhead in atrium of the Deutsche Bank building at Unter den Linden in Berlin, Photo Mathias Schormann
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Dani Gal, Architecture regarding the future of conversation, installation view, Freisteller, Deutsche Guggenheim, Berlin, Photo Mathias Schormann
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Dani Gal, Seasonal Unrest, 2007, Courtesy Dani Gal / Centro per l'arte contemporanea Luigi Pecci
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Dani Gal, Seasonal Unrest, 2007, Courtesy Dani Gal / Centro per l'arte contemporanea Luigi Pecci
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Dani Gal, Seasonal Unrest, 2007, Courtesy Dani Gal / Centro per l'arte contemporanea Luigi Pecci
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Reden bedeutender Politiker, Tonaufnahmen von Demonstrationen oder Kriegsschauplätzen oder Berichte von der Entführung Patty Hearsts durch die Symbionese Liberation Army – anhand solcher Dokumente untersucht Dani Gal die mediale Aufbereitung von Geschichte. So realisierte er für die Ausstellung Freisteller, in der das Deutsche Guggenheim die vier Villa Romana-Preisträger 2008 vorstellte, die interaktive Sound-Installation Architecture regarding the future of conversation. Die Arbeit basiert auf Interviews mit berühmten Architekten der Moderne, in denen Mies van der Rohe, Eero Saarinen oder Walter Gropius ihre Vorstellungen von einer zukunftsweisenden Architektur erläutern. Ein Bewegungsmelder aktiviert die Installation: Die Ausstellungsbesucher setzen die Reden in Gang und stören sie zugleich. Das Dokument verwandelt sich in eine kollektiv erzeugte Sound-Collage. Dass sich der historische Diskurs dem Zuhörer immer wieder durch Unverständlichkeit entzieht, liegt ganz im Sinne Gals. Die Strategie der Irritation ist typisch für die Arbeiten des 1977 in Jerusalem geborenen und in Berlin lebenden Künstlers. Seine Arbeiten unterlaufen Erwartungen, werfen Fragen auf und lassen sich nicht in einer affirmativen Aussage kanalisieren. Nur eines scheint für Gal festzustehen: den Medien ist nicht zu trauen.
Auch bei seiner jüngsten Arbeit im Centro per l’arte contemporanea Luigi Pecci – einem Privatmuseum für zeitgenössische Kunst im toskanischen Prato, das seit 1988 zeitgenössische Positionen zeigt – bleibt Gal diesem Ansatz treu. Seasonal Unrest kreist um die Themen Authentizität und Fiktion. In der Zweikanal-Videoinstallation kombiniert er das Porträt eines Geräuschemachers, der in einem Tonstudio den Soundtrack für einen Film produziert, mit einer israelischen Dokumentation über den Gazastreifen.
In dem 1970 entstandenen Film Grenade in Gaza zeigt eine Crew des israelischen Fernsehens den Alltag im drei Jahre zuvor besetzten Gebiet. Die Produktion thematisiert auch den Missbrauch des Mediums Film zum Zweck anti-israelischer Propaganda und behauptet, selbst ein objektives Bild der Lebenswirklichkeit im Gazastreifen zu vermitteln. Diesen historischen Film hat Gal für Seasonal Unrest mit einem neuen Soundtrack unterlegt. Dessen Entstehung zeigt das Video, das parallel zu der neuen Version von Grenade in Gaza projiziert wird. Darin beobachtet er die Arbeit des Geräuschemachers, dem es anscheinend vor allem darum geht, das historische Filmmaterial mit Hilfe seiner künstlich erzeugten Soundeffekte "noch realer" erscheinen zu lassen. Die Gegenüberstellung der beiden Filme entlarvt die Mechanismen politischer Dokumentationen. Zugleich verweist Seasonal Unrest auf die Rolle der Medien im Konflikt zwischen Israel und Palästina – damals wie heute.
Dani Gal: Seasonal Unrest 31. Januar - 1. März 2009 Centro per l’arte contemporanea Luigi Pecci Prato
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