Frances Stark, The New Vision, 2008, Courtesy Galerie Daniel Buchholz, Cologne
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Frances Stark, Within a Magnetic Field of Chronic Intellectual Tension, 2001, Deutsche Bank Collection
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Frances Stark, Reflection for Readying, 2005, Courtesy Galerie Daniel Buchholz, Köln/Berlin
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Frances Stark, The New Vision, Portikus 2008.
Photo: Katrin Schilling
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Frances Stark, The New Vision, Portikus 2008.
Photo: Katrin Schilling
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Frances Stark, Chorus Line, 2008, Courtesy Galerie Daniel Buchholz, Köln/Berlin
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Frances Stark, Member of chorus (a particle), 2008, Courtesy Galerie Daniel Buchholz, Köln/Berlin
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Frances Stark, Fertile debris, 1999, Deutsche Bank Collection
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Wörter, grafische Elemente und Zeichnungen lässt Frances Stark in ihren Collagen auf Literaturzitate oder ausgeschnittene Fotografien treffen. Ihre Spannung beziehen diese Arbeiten aus der Kombination von ebenso reduzierten wie verspielten Formen und großen Leerflächen. Ausgangspunkt sind für Stark literarische oder visuelle Vorlagen: So basiert ihre Werkgruppe A Torment of Follies, die sie im Frühjahr 2008 in der Wiener Secession zeigte, auf dem 1937 erschienenen absurden Roman Ferdydurke des polnischen Schriftstellers Witold Gombrowicz. In ihren neuen Arbeiten für den Frankfurter Portikus zitiert sie mit Goya einen der wichtigsten Wegbereiter der Moderne. Dieses Ausgangsmaterial setzt sie zu ihren Rollen als Künstlerin, Frau, Mutter oder Professorin in Beziehung, aber auch um ihre Verortung in der Kunst-Community zu hinterfragen. Starks vielschichtiges Werk changiert dabei zwischen bildender Kunst und Poesie.
The New Vision nennt Stark ihre Ausstellung im Portikus, mit der die Partnerschaft zwischen der Frankfurter Ausstellungshalle und der Deutsche Bank Stiftung in ihr zehntes Jahr geht. Den bedeutungsschweren Titel verdankt die Schau einer Anekdote, die allerdings jedes Gefühl von Pathos ins Leere laufen lässt: The New Vision lautete der Name, den der kleine Sohn der Künstlerin einer Raupe gab, die im Garten der Starks lebte. Die Verwandlung in einen Schmetterling gelang diesem Tier allerdings nicht. The New Vision verstarb während ihrer Metamorphose. Das Bild einer nur halb verwandelten Raupe verwendete die Künstlerin später für eine Collage, die auf dem Cover ihres 2007 veröffentlichten Katalogs Frances Stark. Collected Works abgebildet ist. Ein bezeichnendes Motiv, denn immer wieder thematisiert die in Los Angeles lebende Künstlerin Momente der Verwandlung, aber auch der Stagnation oder Unsicherheit: So zeigt eines ihrer Bilder im Portikus einen Notenständer, auf den sie zwei Briefe befreundeter Künstler geklebt hat. Ein Brief stellt Starks aktuelle Arbeitsweise in Frage und fordert sie auf, wieder mehr selbst zu schreiben, anstatt Texte anderer zu appropriieren. Der zweite Brief dagegen ist eine Lobeshymne an die visuelle Kraft ihrer letzten Arbeiten.
Zu der für den Portikus neu erarbeiteten Werkgruppe gehören auch Bilder, die sich auf Goyas 1798 abgeschlossene Serie Caprichos (Launen) beziehen. Das Capricho Nr. 26 - von Goya mit der Unterzeile "Sie haben schon ihren Platz" versehen - zeigt zwei Mädchen, die von Männern bedrängt werden, dabei aber relativ gelassen wirken. Absurderweise haben sie ihre Röcke bis zum Hals hochgezogen und tragen einen Stuhl auf dem Kopf. Zusätzlich zum Titel gibt es einen Kommentar des Künstlers zu diesem Blatt: "Wenn von sich selbst eingenommene Mädchen zeigen wollen, dass sie schon einen Platz haben, dann ist es das Beste, wenn sie sich den Stuhl auf den Kopf setzen." Eine der gezeigten Arbeiten ist ein präzises Zitat dieses Capricho, das Motiv des Rocks findet sich auch in weiteren Werken der Ausstellung. In den häufig sehr ironischen Kommentaren Goyas zu seinen Arbeiten zeigen sich Parallelen zu Starks Umgang mit Sprache. The New Vision entpuppt sich dabei als ebenso hintergründige wie poetische Auseinandersetzung mit der Frage, was es bedeutet, in der heutigen Welt Künstlerin zu sein.
Frances Stark The New Vision 22.11.2008 - 11.01. 2009 Portikus Frankfurt
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