Tue Greenfort, Ohne Titel, 2008, Sammlung Deutsche Bank, Courtesy Galerie Johann König (Berlin)
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Tue Greenfort, Langsamkeit, 2006, Sammlung Deutsche Bank, Courtesy Johann König (Berlin)
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Tue Greenfort, Plantaginaceae, 2006, Sammlung Deutsche Bank, Courtesy Johann König (Berlin)
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Tue Greenfort, Daimlerstraße 38, 2001, Courtesy Johann König, Berlin
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Tue Greenfort, Medusa (Pelagia noctiluca), 2007,Sammlung Barbara Bernoully, Courtesy Kunstverein Braunschweig
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Tue Greenfort, Datura Samen, 2006, Sammlung Deutsche Bank, Courtesy Johann König (Berlin)
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Tue Greenfort, Fassadenbeleuchtung – Public Private Partnership, 2008, Installationsansicht Kunstverein Braunschweig
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Tue Greenfort, Incineration, 2008, Courtesy Galerie Johann König
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Tue Greenfort, PET-Flasche, 2008, Courtesy Johann König, Berlin
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Tue Greenfort, THW-Brücke, 2008, Installationsansicht Kunstverein Braunschweig
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Tue Greenforts Augenfarbe ist grün. Es ist noch nicht lange her, da galt ein Umweltfreund als blauäugiger Romantiker, der vom Fortschritt nicht viel verstanden hat und lieber realitätsfernen linken Idealen hinterher träumt, anstatt mal an Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum zu denken. Wenn Tue Greenfort gelegentlich "Umweltkünstler" genannt wird, dann haftet diesem Begriff zu Unrecht ein naives, aktionistisches Image an. Tue Greenfort, geboren 1973 im ländlichen Süden von Dänemark, ist Realist und vollkommen in der Gegenwart verankert. Er hat nur bestimmte Notwendigkeiten schon früh verstanden - noch bevor der umständliche Begriff "Nachhaltigkeit" dafür populär wurde. Realitätsfern und blauäugig ist daran nichts.
In seiner Kunst, die oft ganz ortsbezogen entsteht, verzichtet er auf vordergründiges Moralisieren. Anstatt die Position der ersten Generation von Öko-Aktivisten, "Gute Natur - böser Mensch", zu beziehen, macht er vielmehr auf die komplexen Zusammenhänge zwischen dem einen und dem anderen aufmerksam. Greenfort fokussiert sich auf versteckte Abhängigkeiten und unerwartete Verknüpfungen, die sich erschließen, wenn man genauer hinschaut. Dazu gehört es, Experten zu befragen und den Blick auf vermeintlich eindeutige Dinge wie den - scheinbar bösen - Müll oder - scheinbar liebe - bedrohte Tiere vom Schwarz-Weiß-Denken zu befreien.
Dazu muss man erst mal verstehen, sagt Tue Greenfort, dass es "die Natur" gar nicht gibt. Was schon bei Karl Marx "Zweite Natur" genannt wurde, hatte er bereits als Kind am eigenen Leib erfahren. Während er durch die Landschaft lief und von Bauern, Förstern und Waldarbeitern jeweils unterschiedliche Verhaltensweisen nahe gelegt bekam, verstand er intuitiv, dass Natur ein Schauplatz für die unterschiedlichsten Interessen ist. Und als der See, in dem er als Kind geschwommen ist, immer schmutziger wurde, begriff er, was all das mit ihm zu tun haben könnte - und mit jedem anderen Menschen. Es musste etwas geschehen, beschloss er. Was sich anhört wie die rührselige Vertreibung aus Bullerbü, wurde für Greenfort zu einem befriedigenden Lebensauftrag.
Warum aber ist er Künstler geworden, und nicht Politiker oder Aktivist? "In erster Linie, weil ich Kunst mache", sagt er ohne Ironie und erklärt, dass er die fein codierte, spezialisierte und kunsthistorisch verwurzelte Sprache der Bildenden Kunst für eine sehr geeignete Kommunikationsplattform hält. Eine Sprache, die ein Feedback bis ins Verhalten des Betrachters zu senden vermag, so hofft er jedenfalls.
Greenfort hat ungestraft den Müll in die Kunst zurück gebracht. Nicht so, wie er manchmal mit anklagendem Unterton - "So leben Nordseefische" - in Naturkundemuseen zu klumpigen Skulpturen zusammengeballt wird. Vielmehr denkt Tue Greenfort weiter und macht deutlich, wie wirtschaftliche Interessen, globale Vermarktung und lokale Probleme zusammenhängen. Ausgerechnet in der Müllmetropole Neapel hatte er letztes Jahr ein Stipendium - wenn das nicht nach ortspezifischer Aktion riecht! Doch Greenfort war des Medienrummels um den Müll in der Altstadt sehr schnell überdrüssig. Waren doch nicht drei vor pittoresken Postkarten-Fassaden liegen gebliebene Müllsäcke das eigentliche Problem. Der Kern der Sache lag unbearbeitet in den verarmten Außenbezirken der Stadt, wo die ganze Industrie Norditaliens ungestraft ihren Abfall ablädt.
Wie ein Reporter geht er vor Ort den Fakten auf den Grund und entwickelt dann aus seinen Erkenntnissen etwas, das sich ausstellen lässt. Formal ist er dabei stets sehr präzise, was im wohltuenden Verhältnis zu den oft komplizierten Zusammenhängen steht. Etwa im Falle der Edition für die db artmag Printausgabe zur Frieze Art Fair: Diese Fotografie eines Flammeninfernos lässt an die aufgewühlten Himmel Turners, die Gewalten der Natur in der romantischen Landschaftsmalerei denken. Doch was wie ein archaischer Ausbruch von Naturgewalt anmutet, ist tatsächlich das Innere des Ofens in einer norddeutschen Müllverbrennungsanlage. Dorthin nämlich wurde ein Teil des Problem-Mülls aus Süditalien gebracht. "Die Edition dokumentiert nicht nur das in unserer Zeit umstrittene Umweltproblem der Entsorgung von Haushaltsmüll", erklärt der Künstler, "sondern auch das globale Geschäft mit dem Müll".
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