In dieser Ausgabe:
>> Anish Kapoor in Boston / Sammlung Deutsche Bank: "Drawing a Tension" in Lissabon
>> "Freeway Balconies" im Deutsche Guggenheim

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Matt Saunders, aus der Serie "Udo", 2004
Sammlung Deutsche Bank



Ein ähnlich intimes Verhältnis wie Sara Gilbert entwickelt Matt Saunders zu seinen Motiven, wenn er sich Fotos von Schauspielern wie Charlotte Rampling oder Matti Pellonpää aneignet. Er löst sie aus ihrem ursprünglichen Kontext, bearbeitet sie in mehreren Schritten, überträgt sie in Gemälde, Zeichnungen, Videos. Wie etwa Udo, der in der Deutsche Guggenheim Schau gezeigt wird. Das Video basiert auf über 600 gezeichneten Einzelbildern des Gesichts von Udo Kier.

Mit solch leidenschaftlicher Appropriation hinterfragt der Künstler die Mechanismen zeitgenössischer Bildproduktion – wobei Saunders sich darüber klar ist, dass der Graben zwischen Fan und Star unüberbrückbar ist. Dieses Gefühl stellt sich auch beim Betrachten eines Fotos von Karen Kilimnik mit dem Titel Me as Elizabeth Taylor in National Velvet Before Horse Race (1988) ein. Die Künstlerin hat sich selbst fotografiert und dann im Abzug Lidschatten und Haar im Stil der Hollywood-Diva mit einem schwarzen Filzstift stümperhaft nachkoloriert. Die körperliche Annäherung an das Idol soll hier ganz offensichtlich scheitern.



Collier Schorr,
She Loves You, She Loves Everybody (Brooke Shields), 2008
Courtesy the artist


Im Grunde schafft es bei Freeway Balconies allein Collier Schorr, als klassische Porträtfotografin, für einen kurzen Moment die Grenze zwischen Schein und Sein zu durchbrechen und in den Raum hinter dem Medienbild vorzudringen. Es gelingt ihr mit einem Bild, das sie von Brooke Shields gemacht hat. Der gealterte Kinderstar liegt mit weißen Tanktop und streng zurückgebundenen Haar auf dem Boden. Shields soll gesagt habe, sie könne in dem Porträt, ihr wahres – oder immerhin mögliches – Ich erkennen. Das ist ein wirklicher, seltener Moment. Denn in einer Zeit, in der die Lebensentwürfe vielfältig sind und die Menschen die befreiende Wirkung des bewussten und permanenten Rollenspiels immer stärker erkunden, ist die Definition der eigenen Identität nicht unbedingt leichter geworden.

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