Joseph Beuys entwickelte das Objekt Eurasienstab
(1967–1968) in einer Serie von Aktionen zum Themenkreis "Eurasia",
einschließlich jener des Jahres 1968 in Antwerpen, die das hier gezeigte
Video dokumentiert. Mit dem Konzept "Eurasia" suchte Beuys die uralte
kulturelle Trennung zwischen Ost und West aufzuhebe, wie auch auf die
Teilung Deutschlands hinzuweisen. Der Stab als Energieleiter soll den
östlichen Transzendentalismus mit dem wesentlichen Rationalismus verbinden.
 Matthew
Barney, Video still aus FIELD DRESSING (orifill), 1989 Foto
courtesy Matthew Barney ©2006
Matthew Barney.
Matthew Barneys erste
Installation Field Dressing (1989–1990) vereint Performance, Video
und Skulptur zu einer Formel, die für sein späteres Werk maßgeblich wurde.
Die Bildschirme zeigen den Künstler bei der Inter-Aktion mit den
ausgestellten Objekten. Thematisiert werden der Leistungswahn des
Extremsports sowie die Möglichkeit, durch Widerstand Form zu erzeugen und
durch Disziplin Potenzialkräfte freizusetzen.
 Matthew
Barney, Chrysler Imperial, 2002 (Detail), Solomon
R. Guggenheim Museum, New York Foto:
David Heald, © Solomon R. Guggenheim Foundation, New York ©2006
Matthew Barney.
Vitrinen Joseph
Beuys’ Vitrinen stellen ihr Inneres zur Schau wie Glaskästen in Kunst- und
Naturkundemuseen. Diese Doppelwertigkeit stützt sein Argument, dass Kunst
nie aus Gesellschaft und Natur herausgelöst werden darf. Die Vitrine aus
dem Jahr 1983 enthält Fat Filter (1964) und Schlitten
(1969), ein Multiple, das die Überlebensfrage im Kern von Beuys’
persönlicher Mythologie anspricht. Die andere, 1984 entstandene Vitrine
versammelt Objekte aus der Aktion Incontro con Beuys (1974) in
Pescara. Eine in Filz gewickelte Kupferplatte und italienische Würste, die
Beuys während der Aktion zerschnitt, evozieren die Prozesse
Wärmeisolierung und Energieerzeugung.
Für Matthew Barney bietet die Vitrine die Möglichkeit, Editionen der
CREMASTER-Filme als Skulptur zu präsentieren. Die Handlung von CREMASTER
2 (1999) kreist um die Geschichte des mormonischen Mörders Gary
Gilmore. Die Vitrine des Films ist mit Bienenwaben ausgekleidet – eine
Anspielung auf den Bienenkorb im Wappen des US-Bundesstaats Utah. Die
Plastikbox für CREMASTER 3 trägt die Farben der irischen
Flagge, Grün und Orange, da der Film auf die Zweiteilung Irlands Bezug
nimmt.
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Joseph Beuys, Terremoto in Palazzo, 1981, Solomon
R. Guggenheim Museum, New York Foto © FMGB Bilbao ©2006
Artists Rights Society (ARS), New York / VG Bild-Kunst, Bonn
Zeichnungen Die
Zeichnung spielt eine Schlüsselrolle im Werk von Beuys und Barney. Sei es
als Impuls für eine neue Arbeit, als Fortsetzung eines bereits
realisierten Projekts oder als Element einer Performance – stets wird das
konzeptuelle Grundgerüst auf Papier festgehalten. Ikonografisch gesehen
dokumentieren die Zeichnungen die Beschäftigung beider Künstler mit
Verwandlungsprozessen und individuellen Kosmologien. Beuys benutzte die
Kreuzform als grafisches Sinnbild seiner Überzeugung, dass von der Kunst
eine Heilkraft ausgehen könne. Bei Barney nimmt es die Form des
"Feldzeichens" an, das wie ein Kenn- oder Markenzeichen in seinem Werk
erscheint. Das Emblem – eine Ellipse, durchschnitten von einem
horizontalen Streifen – steht für den disziplinierten Körper, den
eingedämmten Energiefluss, die Zone des reinen Potenzials. Lesen Sie hier
ein Interview mit Nancy Spector zu all in the present must be
transformed.
Editionen
Aus
Anlass der Ausstellung all in the present must be transformed: Matthew
Barney and Joseph Beuys, in der erstmals das Werk beider Künstler
gegenübergestellt wird, präsentiert das Deutsche Guggenheim zwei Künstlereditionen:
Joseph Beuys' Filzpostkarte von 1985 und Matthew Barneys From
Mud, A Blade (2006), die der amerikanische Künstler eigens für die
Berliner Ausstellung kreierte.
Matthew Barneys Edition leitet sich
von seinem Filmprojekt DE
LAMA LÂMINA (2004) ab, in dem er das für die westliche Kultur
so zentrale Prinzip der Dualität untersucht und zugleich in Frage stellt.
Seltenes Brasilianisches Rosenholz hinterlegt mit weißlichem Polyethylen
HD dient als Objekt und als Deckblatt für ein Set von zehn eindringlichen
Bilden aus DE LAMA LÂMINA, das während des Karnevals
in Salvador da Bahia gedreht wurde.
Joseph Beuys Filzpostkarte
belegt seine grundsätzliche Vorliebe für die Postkarte, die er wegen ihrer
Doppelfunktion als Kommunikationsmittel und einfaches künstlerisches
Medium schätzte. Aus diesem Grund übertrug er eine Vielzahl Materialien,
die sich in seinem Werk wieder finden, – wie Holz, Kupfer und sogar
Schwefel – in die Form der Postkarte. Wie bei Beuys Filzpostkarte
sind bei Matthew Barneys Edition die Materialien wesentlich für die
künstlerische Aussage.
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