Collagierte Utopien, globalisierte Welten: Die
Deutsche Bank Art präsentiert Ursula Döbereiner und Kirstine Roepstorff
auf der Frieze Art Fair
Der Pressestand der Deutsche
Bank Art auf der diesjährigen Londoner Frieze Art Fair feiert eine
Premiere. Nicht nur, dass die Dänin Kirstine Roepstorff als einer der
Newcomer der jungen skandinavischen Szene eigens für diesen Anlass eine
limitierte Edition konzipiert hat – ihr Set aus Shopping-Bag, Sticker und
Poste wird sicher ein „Collectors Item“. In diesem Jahr wurde erstmals
auch der gesamte Stand von einer Künstlerin gestaltet: „Spaces into
Spaces“ heißt die Installation der Berlinerin Ursula Döbereiner, die den
Besucher wie eine gigantische, begehbare Zeichnung umgibt. db- artmag
stellt die Künstlerinnen und ihre Arbeit vor.
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Kirstine Roepstorff, The Third Way,
2005 © Kirstine Roepstorff, Courtesy Peres Projects, Los
Angeles/Berlin, Christina Wilson Gallery, Kopenhagen
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Kirstine Roepstorff, This is not the
Queen of Diamonds, She just wants it, 2004 Courtesy Christina Wilson
Gallery
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"Ich glaube Fotomontagen funktionieren wie Träume." sagt
Kirstine Roepstorff, "Man kann unmöglich von etwas träumen, von dem man
sich kein Bild machen kann, von etwas, das noch nicht von unserer
visuellen Kultur reproduziert wurde." Tatsächlich verkörpern die Collagen
der in Berlin und Kopenhagen lebenden Künstlerin einem merkwürdigen
Schwebezustand. Auf The Third Way (2005) der Arbeit, die das
Postermotiv für die
Deutsche Bank Art bildet, zieht ein Segelschoner aus dem 19.
Jahrhundert durch ein türkisblaues Meer und hinterlässt im Fahrwasser eine
Gischt aus Papierfetzen und Glitterpartikeln, unzählige Einsprengsel aus
Farbe und Licht.

Kirstine Roepstorff, Eel of unfortune (trust me), 2005,
Courtesy Christina Wilson Gallery
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Kirstine Roepstorff, Parlament (Stop
woman), 2005, Courtesy Christina Wilson Gallery
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Kirstine Roepstorff, Hearts with
Seeds and Brains with Love, 2004, Courtesy Christina Wilson Gallery
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Am Horizont türmt sich ein elfenbeinerner Turm aus Tassen
und Kannen auf. Bei genauerem Hinsehen entdeckt man in diesem Aufbau zwei
Golf spielende Freizeitsportler, die sich aufführen wie Elefanten im
Porzellanladen – schon bald wird dieser luxuriöse Traum in Scherben
liegen. Das klassische Bild der Emigranten aus dem alten Europa, die sich
Ende des vorletzten Jahrhunderts auf die Reise in das verheißene Land auf
der anderen Seite des Atlantiks begaben, trifft bei Roepstorff auf
zeitgemäße Entsprechungen. Die romantische Sehnsucht nach einem freieren
Leben hat sich auf Utopien verkürzt, die aussehen wie die Warenträume aus
einem
Habitat-Katalog. The Third Way gehört
zu einer Reihe von Collagen, die Roepstorff 2005 für ihre Installation
Mystic Harbour bei der Gruppenausstellung
Kritische Gesellschaften im
Badischen Kunstverein entwickelte. Zeitgleich waren ihre Arbeiten im
Rahmen des internationalen Veranstaltungsprojekts
Populism zu sehen, das sich an Ausstellungsorten wie dem Amsterdamer
Stedelijk Museum und dem Frankfurter
Kunstverein dem Verhältnis zwischen zeitgenössischer Kunst und
aktuellen politischen und populistischen Tendenzen widmete. Kapitalismus
als sicherer Hafen? Beide Ausstellungen stellen die Frage, wie sich
Kapitalismuskritik und künstlerische Produktion miteinander verbinden
lassen. Auch Roepstorffs Arbeiten untersuchen, ob und wie die aktuelle
Kunstproduktion alternative politische Utopien ästhetisch begreifen und
reflektieren kann. Die Prinzipien der Montage
nehmen dabei im Werk der 1972 geboren Dänin eine zentrale Rolle ein. Werke
wie Pink (2004) oder Hearts with Seeds and Brains with Love
(2004), die als Motive für die Papiertüten-Edition der Deutsche Bank Art
dienten, erinnern an dadaistische Collagen und die agitatorischen Arbeiten
John Heartfields. Zugleich verweisen sie auf die ästhetischen Strategien
von Künstlerinnen wie
Hannah Höch oder
Martha Rosler:

Kirstine Roepstorff, Pink, 2004,
Courtesy Christina Wilson Gallery
Die
Photomontage erscheint als Medium einer feministischen Sichtweise, mit der
das Massenbewusstsein durchleuchtet wird. Die Grenzen zwischen politischer
Botschaft und "Radical-Chic" lässt Roepstorff allerdings ganz bewusst
verschwimmen: Bilder von Kriegsschauplätzen, globaler Migration,
ökologischen Katastrophen vereinen sich mit Images aus Lifestyle- und
Designmagazinen. Auf ihren Collagen explodieren Schwaden von buntem
Konfetti, es regnet Diamanten und Glitter. Das Resultat ist sowohl
glamourös als auch paradox. Roepstorffs Arbeiten sind von ästhetischer
Raffinesse und fast bedrückender Schönheit. Denn während sie ganz subtil
politische und soziale Missstände freilegen, entlarven sie die alles
vereinnahmende Sprache der Warenwelt und Werbung als zynisch und
oberflächlich.
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