Hilla von Rebay – Eine Künstlerin wird wiederentdeckt
Lange war Hilla von Rebay vergessen. Jetzt aber wird die eigenwillige
Künstlerin und erste Direktorin des Guggenheim Museums mit der umfassenden
Schau "Art of Tomorrow" endlich gebührend gewürdigt. Hauptsponsor der
Ausstellung über die Pionierin der gegenstandslosen Kunst ist die Deutsche
Bank. Cheryl Kaplan hat sie sich im New Yorker Guggenheim Museum
angesehen.

Collage, ohne Datum Courtesy Solomon
R. Guggenheim Museum. Foto
Courtesy of Cheryl Kaplan,
©Cheryl Kaplan 2005. All rights reserved.
Hilla von Rebay ist als Künstlerin kaum bekannt –
ganz im Gegensatz zu ihren Zeitgenossinnen wie der Malerin
Gabriele Münter, der Partnerin
Kandinskys, und
Sonya Delaunay, der Frau von
Robert Delaunay. In Sigrid Faltins Film
Die Baroness und das Guggenheim – Die Geschichte der Hilla von Rebay
(2004) bemerkt der Künstler
Jack Youngerman, den Rebay in ihren späten Jahren ebenso wie
Ellsworth Kelly unterstützte: "Hillas Name wurde ausgelöscht". Selbst in
Alexander Lieberman’s berühmtem Foto-Band The Artist in His
Studio aus dem Jahre 1960, in dem neben bekannten männlichen Künstlern
der Zeit auch einige Künstlerinnen abgebildet sind, kommt Rebay nicht vor.
Eine große, von der Deutschen Bank als Hauptsponsor geförderte Ausstellung
im New Yorker
Solomon R. Guggenheim Museum sorgt jetzt aber dafür, dass die
Künstlerin wiederentdeckt wird. Kuratiert wird die Ausstellung
Art of Tomorrow: Hilla Rebay and Solomon R. Guggenheim, die später
auch in Deutschland Station machen wird, von Karole Vail, Jo-Anne Birnie
Danzker und Brigitte Salmen, organisiert wird sie vom Solomon R.
Guggenheim Museum, der
Villa Stuck in München und dem
Schlossmuseum Murnau.

Gray in Gray, 1939 Courtesy Solomon
R. Guggenheim Museum. Foto
Courtesy of Cheryl Kaplan,
©Cheryl Kaplan 2005. All rights reserved.
Zwischen 1927, als sie in Amerika eintrifft, und ihrem Tod 1967 im Alter von
77 Jahren kehrt Hilla von Rebay immer wieder nach Europa zurück. Dort
trifft sie sich mit Künstlern, die wie sie selbst zu der kleinen, aber
stetig wachsenden Gruppe derer gehören, die sich mit gegenstandsloser
Kunst auseinander setzen. Bedenkt man Hillas recht großes und
einflussreiches Netzwerk von Freunden und Künstler-Kollegen wie Wassily
Kandinsky,
Hans Arp,
Paul Klee, Marc Chagall
oder
Rudolf Bauer, fällt es schwer zu glauben, dass ihre eigenen
künstlerischen Arbeiten nicht einem größeren Publikum bekannt geworden
sind.
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Und das trotz der Tatsache, dass Rebay regelmäßig und ohne
jede Skrupel eigene Arbeiten in Ausstellungen zeigt, die sie selbst
kuratiert. Zusätzlich spielt sie eine entscheidende Rolle beim Aufbau des
Solomon R. Guggenheim Museum in New York, dessen erste Direktorin und
Kuratorin sie wird.

Leniency (Tarantele), 1947 Courtesy
Solomon R. Guggenheim Museum and Portico N.Y., Inc.
Foto Courtesy of Cheryl Kaplan,
©Cheryl Kaplan 2005. All rights reserved.
Hilla von Rebays künstlerische Ausbildung beginnt 1909 an der
Académie Julian in Paris, wo sie Porträtmalerei studiert. Zu der Zeit
und in ihren ersten Jahren in New York steht sie unter großem finanziellen
Druck, den sie allerdings hinter einer Fassade des Reichtums zu verbergen
weiß. Zwar hatte sie den Titel einer Baronesse geerbt, doch entstammt sie
lediglich dem niederen Adel. Ihre Eltern, besonders ihr Vater,
unterstützen Hillas Werdegang als Künstlerin auch dann noch, als ihr
Vermögen dahin schmilzt.
Mit Intuition und Willensstärke
steuert Rebay durch ihr Leben. Ihre Ausbildung als Porträtmalerin
erleichtert ihr den beruflichen Einstieg als Illustratorin in New York Mit
den ersten privaten Aufträgen kann sie sich finanziell über Wasser halten.
Rasch findet sie ein Apartment über der
Carnegie Hall. Oft sitzt sie dort heimlich auf einem der oberen Balkone,
auf den sie sich durch eine geheime Tür schmuggeln kann, und skizziert mit
Leidenschaft die Musiker. Ihre spirituelle Seite entwickelt sie als junge
Frau während ihrer Zeit in Paris, wo sie sich mit
theosophischen Künstlern und Schriftstellern trifft und ihre fast
unerschütterliche Hingabe an die gegenstandslose Kunst, die sie als Mittel
zur Erlösung der Welt versteht, entsteht.

Rondo, ca. 1943 Courtesy Solomon R.
Guggenheim Museum. Foto Courtesy
of Cheryl Kaplan, ©Cheryl Kaplan
2005. All rights reserved.
Drei wichtige
Beziehungen bestimmen Hillas Laufbahn – von Ihrer Kindheit im damals noch
deutschen Straßburg bis zu ihren späten Jahren in den USA. Sie verlaufen
parallel zu ihrer Entfaltung als Künstlerin und erklären auch die Brüche
in ihrer künstlerischen Arbeit. Die erste Beziehung beginnt 1915, als sie
nach Zürich reist und Hans Arp kennen lernt. Durch ihn begegnet Rebay 1917
in der Galerie
Der Sturm dem Künstler Rudolf Bauer, dem zweiten wichtigen Mann in ihrem
Leben. In New York lernt sie 1927 schließlich
Solomon R. Guggenheim kennen, den sie ein Jahr später porträtiert.
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