Kaffeeflecken inklusive: Ina Webers Installation
"Welcome to the Club" im ibc

Welcome to the Club, 2005, Außenansicht
Foto: Bärbel Högner Sammlung Deutsche Bank
Das im Frühjahr 2004 von der Deutschen Bank bezogene Frankfurter ibc ist ein
funktionales und transparentes Gebäude. Auf rund 30.000 Quadratmetern
Bürofläche arbeiten hier über tausend Menschen in einem Ambiente aus Glas,
Stahl, Naturstein und Beton. Zugleich findet sich an der
Theodor-Heuss-Allee eine außergewöhnliche Kunstausstattung, die
international wegweisend ist. Die Serie "Kunst im ibc" stellt die am
Projekt beteiligten Künstler und ihre Arbeiten vor. Den Auftakt bildet Ina
Weber, die mit ihrer Installation "Welcome to the Club" das traditionelle
Ambiente eines englischen Gentlemen-Clubs mitten in das moderne
Großraumbüro implantiert hat.

Welcome to the Club, 2005, Innenraum
Foto: Bärbel Högner Sammlung Deutsche Bank
Manchmal bedarf es nur eines kurzen Innehaltens, um wahrzunehmen, wie man es
sich tatsächlich im Alltag eingerichtet hat. Selbst wenn man im Intercity
nicht mehr in den Speisewagen, sondern in ein "Bord-Bistro" geht, der
Kiosk in der Halle eines Bürokomplexes "Coffee-Corner" heißt und ein paar
zusammengestellte Sitzmöbel zu einer "Lounge" verklärt werden, hat dieser
Anschein von Modernität und Exklusivität doch den Beigeschmack des
Profanen. Während zwischen New York und Singapur genormte Shopping-Malls,
Cafehausketten und Flagship-Stores aus dem Boden sprießen, täuschen auch
ihre "originellen" Interieurs nicht darüber hinweg, dass die globalisierte
Kultur zunehmend austauschbare Design- und Architekturmodule hervorbringt.
In der mobilen Gesellschaft wird die Sehnsucht nach innerer Ruhe,
Zugehörigkeit, nach der Bindung an Orte und Menschen zunehmend durch
massenhaft produzierte Gemütlichkeits-Surrogate befriedigt: in den
Polstermöbeln von Starbucks
, auf den Mitsommernachtsfesten von
Ikea oder in den Schmökerecken von
Barnes & Noble.
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Welcome to the Club, 2005, Detail
Foto: Bärbel Högner Sammlung Deutsche Bank
Auch in einem der Großraumbüros des Frankfurter
ibc wurde eine Ruhezone eingerichtet, die auf den ersten Blick an diese
kommerziellen Vorbilder erinnert. Inmitten transparenter Think-Tanks,
Aktenschränke und Monitore verströmt
Ina Webers Installation Welcome to the Club einen Hauch gediegener
Atmosphäre. Äußerlich dem kühl-funktionalen Erscheinungsbild der Umgebung
angepasst, verbirgt sich hinter den getönten Scheiben der erhöht in den
Raum gebauten Glasbox die modifizierte Version eines klassischen
englischen Membership-Clubs. Während der Sockel an der Außenseite mit
einfachem Wellblech ummantelt wurde, ist das Innere des Raums mit edlem
amerikanischem Walnussholz verkleidet. Ausgestattet ist der Club mit
schweren Ledersesseln, einem künstlichen Kamin, einer kleinen Bibliothek,
Leselampen und Antiquitäten. Die Mischung aus Neuem und Altem,
Persönlichem und Anonymen verleiht dem Ambiente einen durchaus
eigenwilligen Charakter. An Stelle einer repräsentativ durchgestylten
Umgebung oder Corporate Identity tritt bei Weber das Spiel mit
ungewöhnlichen Details, die "aus dem Rahmen fallen". Dazu gehören die
handgenähten Kissen, die mit Ameisen und Feuersalamandern verzierten
Kaminkacheln oder die Auswahl der Bücher, die die Berliner Künstlerin bei
Streifzügen durch Antiquariate und nach Empfehlungen von Freunden
zusammenstellte. Im Club tragen sämtliche Bände von der Hessischen Küche
über
Maupassant bis zur Autobiografie von
Beate Uhse den eigens von Weber entworfen Exlibris Stempel.

Welcome to the Club, 2005, Exlibris Stempel
Foto: Bärbel Högner Sammlung Deutsche Bank
"Zur Überlegung etwas zu einem Großraumbüro zu machen, ist mir zunächst wenig
eingefallen", erzählt Weber, die früher selbst in der Zentrale einer
Londoner Kreditkartenfirma gejobbt hat. "Eben WEIL ich das kenne, WEIL ich
weiß, wie das ist. Ich dachte dabei nur an die Kaffeeflecken auf dem
Teppichboden. Ich habe mir dann mehr Gedanken dazu gemacht, und so ist es
letztendlich eine Art Designkritik geworden." In diesem Sinne ist auch das
Muster der Kaffeeflecken zu verstehen, die sie abstrakt stilisiert gleich
mit in den Teppichboden eingearbeitet hat. Während lästige Flecken
anderswo das makellose Erscheinungsbild des Designs stören könnten, hat
Weber diese alltäglichen Gebrauchsspuren konzeptionell in ihren Entwurf
integriert.
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