Der Branchenbrief "Informationsdienst Kunst" vergibt
Bestnoten für Webseite der Deutsche Bank Art
Im deutschen Branchenbrief
Informationsdienst Kunst, der sich speziell an Galeristen und Sammler,
Künstler und Kritiker, Museumsleute und Kunstvereinsmitglieder richtet,
werden alle zwei Wochen Kunstplattformen im Internet getestet. In der
aktuellen Ausgabe vom 2. Mai standen diesmal die Seiten von db-art.info
auf dem Prüfstand. Wie sind die redaktionellen Inhalte? Was bietet das
Layout? Ist die Benutzerfreundlichkeit gewährleistet? Das Ergebnis fiel
ausgesprochen positiv aus. Von zwölf möglichen Bewertungspunkten wurden
elf an unsere Seiten vergeben.
"Kunst aus der Firmensammlung,
dargeboten auf der hauseigenen Website – ein Vermittlungsangebot, das per
se misstrauisch stimmt, das längst nicht bei jedem gut ankommt, selbst
wenn ein Weltkonzern wie die Deutsche Bank auf diese Weise seinen
zweifelsohne vehementen Einsatz für die Kunst kommuniziert." Die
Vorbehalte, die zu Beginn dieses Testberichtes standen, wurden von
Redakteur Jörg Restorff schnell revidiert: "Denn dieses
Portal, das keinen Hehl macht aus seinem Auftrag, die vielfältigen
Kunstaktivitäten der Deutschen Bank ins rechte Licht rücken zu wollen,
überragt sowohl in der Form als auch im Inhalt das meiste, was sich an
Kunstplattformen im Internet tummelt." Gelobt wurden vor allem die
redaktionelle Berichterstattung und fachkundigen Berichte von Gastautoren
im Themen- und Magazinteil, der sich nicht nur auf die Kunst in der
Sammlung konzentriert, sondern den Blick auch auf Kunstentwicklungen
außerhalb der Bank richtet.
Beiträge wie den
Bericht über die New Yorker Trendgalerie
Pierogi "nimmt man ohne Missmut zur Kenntnis," schreibt Restorff im
Hinblick auf die "im Internet grassierende Melange aus Journalismus und
Public Relations." Auch das von der Londoner Agentur Spin konzipierte
Design der Seiten kam durchweg gut an. Besonders gefiel dem Rezensenten
die harmonische Verbindung von unserem Layout mit den "ungewöhnlich großen
Fotos", die "fast an ein Print-Magazin erinnert."
Nur der Veranstaltungskalender erschien dem Autor grafisch "etwas
overdressed". Trotz dieser Einschränkung freut sich das Redaktionsteam von
db-art.info natürlich sehr über das herausragende Testergebnis – und
verspricht, sich verstärkt um eine Übersicht zu bemühen, die dem ansonsten
gelungenen Erscheinungsbild auch dieser Rubrik gerecht wird.
Die Presse zur Malewitsch-Ausstellung im Deutschen
Guggenheim Berlin
1. April 2003
Während in Deutschland gerade
drei Museen die Rückkehr der figurativen Malerei feiern, konzentriert
sich das Deutsche Guggenheim Berlin mit der Ausstellung
Kasimir Malewitsch: Suprematismus auf den Höhepunkt der Abstraktion
(lesen Sie mehr
hier und
hier). Die Kritiker sind begeistert - und überrascht! Wer hätte gedacht,
dass nach Jahrzehnten der abstrakten Malerei ein schwarzes Quadrat noch
solche Wirkung haben könnte?
In der Neuen Zürcher
Zeitung
bewundert Ursula Sinnreich die "starkfarbigen Formen, deren Konturen frei
in die Leere der hellen Bildfläche ausschwingen oder zu einer Seite der
Form hin sanft in den imaginären Bildraum strömen". Für Sinnreich sind
diese Bilder jedoch nicht nur ein sinnliches, sondern auch ein
spirituelles Erlebnis. Es erscheint ihr schlüssig, "wenn Malewitsch
seine Werke nicht als Bilder bezeichnet, sondern als Erfahrungen. Das
Verdienst der Berliner Ausstellung besteht darin, dass sie diese
Erfahrung einer reinen Gegenstandslosigkeit erlebbar macht als eine, die
sich mit der Gegenwart des Lebens verknüpft."
Ilona
Lehnart staunt in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über die
"nicht nachlassenden Publikumsströme in der Berliner
Guggenheim-Dependance". Die "kleine erlesene" Malewitsch-Ausstellung
leistet ihrer Ansicht nach Pionierarbeit: "... wurde die westliche
Kunstwelt noch in den neunziger Jahren nicht müde, in Kasimir Malewitsch
den Prototyp des modernen Apostaten zu brandmarken, der unter
politischem Druck seiner Lehre untreu wurde", so sei Kurator Matthew
Drutt nun bestrebt, mit der Ausstellung "den Meister vom Kopf auf die
Füße zu stellen, indem sie ihn als abstrakten Terminator der religiös
verwurzelten Traditionen seines Volkes sieht". Diese These wird für
Lehnart durch "bislang unbekannte Zeichnungen und Gemälde aus
Malewitschs suprematistischer Schaffensphase von 1915 bis 1917/18
erhärtet, die das Guggenheim dem Amsterdamer Nikolaj-Chardschijew-Archiv
verdankt".
Apropos Chardschijew: Stephan Lohr widmet der Malewitsch-Ausstellung in
der Süddeutschen Zeitung noch einen
Artikel, in dem er die "spektakulären Umstände" kritisiert, unter denen
die Bilder von Chardschijew in den Westen gelangt sind. Erfahren hat er
davon durch die "kürzlich erschienene Ausgabe der amerikanischen
Zeitschrift
Art News". Danach soll die Kölner
Galerie Gmurzynska dem russischen Sammler, der 1993 mit seinen Bildern aus
der Sowjetunion ausreisen und sich in Amsterdam niederlassen wollte, 2,5
Millionen Dollar für sechs Malewitsch-Bilder gezahlt haben, die ein
Vielfaches wert waren. "Damals wie heute legen russische Kommentare den
Verdacht nahe, hier würden ein Skandal vertuscht und fragwürdige
Geschäfte sauber gewaschen; von 'Schmuggel' ist die Rede." Mehr weiß
Lohr auch nicht.
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Dafür aber Tim Golden von der New York Times,
der den Fall
gründlich recherchiert, mit unzähligen Leuten selbst gesprochen und
sogar die Kopie eines Memorandums aus dem NY Times-Archiv ausgegraben
hat, dass der damalige KGB-Chef, ein gewisser Putin, 1998 verfasst
hatte: "Kulturschätze die illegal vom Territorium der Russischen
entfernt wurden, sind, müssen zurückgeführt werden."
Golden zeichnet in einem langen Artikel die heroische und
traurige Geschichte Chardschijews nach: vom Kunstkritiker, dessen
Freunde von Stalin ermordet wurden, bis zum verbitterten alten Mann, der
"über Tee dogmatisch werden konnte". Es bleibt dem Leser überlassen zu
entscheiden, ob die Lehre aus dieser Geschichte nun die ist, dass
Chardschijew, der immerhin über neunzig war, als er die Sowjetunion 1993
verließ, einfach den falschen Leuten vertraute, oder ob zutrifft, was
der Kunsthändler Mathias Rastorfer sagt: "Was hier geschehen ist, ist
der schlimmste Fall, den ich mir hätte vorstellen können", äußerte der
Kunsthändler angesichts des Umstandes, dass Chardschijews Kunstwerke und
Archive nicht zusammen gehalten wurden. "Aber wenn all das nicht
geschehen wäre, wäre die Sammlung unbekannt geblieben und von dubiosen
Charakteren zerfleddert worden." Eine Frage beantwortet allerdings auch
die New York Times dem interessierten Laien nicht: Warum musste
Chardschijew seine Bilder 1993 aus Russland "schmuggeln", wenn sie ihm
doch gehört haben?
1. März 2003
Christian Semler
fragt in der taz: "Was ist ein Klassiker? Einer, den man zitiert,
ohne sich mit ihm zu beschäftigen. Kasimir Malewitsch ist der Klassiker
der gegenstandslosen Malerei, also eingemeindet und abgehakt. Umso
überraschender der Eindruck nach dem Rundgang durch die
Malewitsch-Ausstellung im Deutschen Guggenheim Berlin. Man glaubte, dem
Avantgardisten ein quasi antiquarisches, höfliches Interesse schuldig zu
sein. Quadrat, Kreuz, Kreis, das kennen wir. Und dann werden wir
überwältigt von der unmittelbaren Wirkung, vom Zugriff der Bilder. Man
erwartete, sich in einer Art diskursivem Raum zu bewegen, wo
Grundelemente von Farbe und Form auf analytische Weise vorgeführt
werden. Stattdessen springt auf uns als Betrachter etwas von dem über,
was Malewitsch als 'Geist der gegenstandslosen Empfindung' bezeichnet
hat", schreibt Semler.
Ulrich Clewing
staunt in der Frankfurter Rundschau, dass trotz Malewitschs
"krauser und altbackener" Theorien seine Bilder "so frisch und modern
wie am ersten Tag" wirken. "Jedenfalls ist uns Heutigen die
Formensprache, die der Künstler damals fand, immer noch sehr nahe.
Angesichts der Rechtecke, Balken und dünnen Linien, die mit
interstellarer Dynamik von einer Seite der Leinwand zur anderen streben,
hat man manchmal den Eindruck, dass ihre Wirkung bis in die Gegenwart
anhält - wo sie sich in der Kunst, in der Werbung, im Design, überhaupt
in der Alltagsästhetik so dauerhaft eingenistet hat, dass sie der
Betrachter als Selbstverständlichkeit hinnimmt."
Bernhard Schulz
sieht das im Tagesspiegel ähnlich: "Wie immer man die Traktate
Malewitschs beurteilen mag, die ohne den historisch-philosophischen
Kontext der russischen Kunstdiskussion nach 1900 schwer verständlich
sind: Was in der Guggenheim-Ausstellung zu sehen ist, sind die wunderbar
ausgewogenen, spannungsvollen Kompositionen eines Malers, der Formen und
Farbe in nie zuvor gekannte Beziehungen zu setzen vermag." Schulz freut
sich, dass er außer den bekannten Bildern etwa aus dem Amsterdamer
Stedelijk Museum auch "beglückende Entdeckungen aus den Museen von
Krasnodar oder Jekaterinenburg" machen konnte – "oder auch aus Japan,
von wo das überraschende Bild einer in die Höhe geschwungenen,
mitnichten kantig-winkligen Form kommt".
Michael Diers von
der Süddeutschen Zeitung ist zwar nicht ganz einverstanden
mit der Konzentration der Ausstellung auf Malewitschs suprematistische
Phase, scheint dann aber doch der schieren Schönheit der Bilder
zu erliegen. "Die Guggenheim-Ausstellung favorisiert den von allen
historisch-politischen Schlacken bereinigten Maler. Bis auf wenige
Hinweise wird das scheinbar inkonsistente, inkonsequente spätere
Schaffen sowie die Herkunft aus der Kunst des 19. Jahrhunderts
ausgeblendet ... Dadurch gerät aber die andere, politischere, offenbar
weniger avancierte Seite des Oeuvres, die zum Teil parallel zu den
gegenstandslosen Werken entsteht, ganz aus dem Blick. Zurück bleibt das
Bild des schieren Triumphes. Das ist eine Stilisierung, ja eine
Abstraktion, die von dem absieht, was vom Künstler an konkreten
Widerständen zu überwinden und an Anpassungsleistungen zu erbringen war.
Insofern ist die Ausstellung viel zu schön, um zugleich auch wahr zu
sein."
In der Welt hält Gabriela Walde
fest, dass dem "Guggenheim Berlin hat mal wieder ein Coup" gelungen ist.
"Während in den USA der Besucherrückgang plagt, legte die deutsche
Guggenheim-Dependance kräftig zu. Mit über 600.000 Besuchern in nur fünf
Jahren mauserte sie sich zu einem der abwechslungsreichsten und
internationalsten Ausstellungsorte in der Hauptstadt. Und auch die
neueste Schau mit über 80 Arbeiten von Kasimir Malewitsch, dem Pionier
abstrakter Malerei, ist wieder ein kleiner Knüller: Viele der Leihgaben
stammen aus russischen Museen und sind erstmals im Westen zu sehen, weil
der Transfer jahrzehntelang vom Sowjetregime blockiert wurde."
Auch Vera Görgen von der Financial Times ist beeindruckt von der
Ausdruckskraft der abstrakten Formen: "Quadrat, Rechteck, Kreis. Das ist
das Formenvokabular, auf das der russische Künstler Kasimir Malewitsch
seine Malerei reduziert hat. Es ist faszinierend zu sehen, wie er die
statischen Formen seiner Bilder in dynamische Bewegungen zu versetzen
vermag. Es scheint, als tanzten die monochromen Quadrate in Gelb, Rot
oder Blau, als hüpften sie freudig oder schwebten an undurchsichtigen
Fäden wie ein leichtes Mobile."
Anja Seeliger
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